
Dauerabo ab 14.11.11
14.11.11 - 31.10.12
01.02.12 - 31.10.12
01.05.12 - 31.10.12
15.08.12 - 31.10.12
nicht bestellbarDas Flugwetter im Winter ist immer eine Krätsche, besonders wenn es auch thermisch sein soll. Herrscht Hochdruckeinfluss, ist es mit anfänglich starken Inversionen sehr stabil und die Neigung zu Nebel und Hochnebel nimmt in allen Alpenteilen mit jedem Tag mehr Hocheinfluss und sich erwärmender Absinkluft zunächst zu. Dann stecken viele Täler Über viele Tage im Nebel und nur auf den Bergen scheint die Sonne. Dort hingegen stehen mit zunehmender HÖhe immer weniger Heizflächen zur Thermikbildung zur VerfÜgung. Es braucht schon grÖßere bewaldetes oder freigetautes felsiges Terrain wo die kurzwellige Sonnenstrahlung in nutzbringende langwellige Wärmestrahlung (Thermik) umgewandelt werden kann. Doch selbst dann lÖsen sich bei stabiler Schichtung und hÖhenwarmer Luftmasse nur ganz dÜnne, wenige Meter dicke und kurzatmige AufwindstrÖmungen die kaum zu nutzen sind.
Herrscht dagehen Fronteneinfluss, stecken sowohl die Täler als auch die Berge in tiefen Wolken und oftmals ist ans Fliegen gar nicht zu denken. Vor allem direkte Staulagen in den Nord- und SÜdalpen sind die schlimmsten Situationen, herrscht dann oftmals Über Tage hinweg geschlossene BewÖlkung auf ScheitelhÖhe vor, wie etwa derzeit in den SÜdalpen (1. Winterdekade 08/09). Etwas gutes haben die Staulagen dann doch. Zumindest ein Alpenteil ist durch FÖhn begÜnstigt, teils sogar schÖn und insbesondere der tiefe SÜdalpenrand kann wenigstens bedingt fliegerisch genutzt werden.
Hochdruck (Keil-/RÜckenlage) ist nicht gut, Tiefdruck (Troglage) ist nicht gut, ja was denn dann?
Die besonders guten Lagen in denen es auch im Winter thermisch zu fliegen geht lassen sich eindeutig erkennen, doch gibt es zwischen den Nord- und SÜdalpen einige Unterschiede.
Die besten Aussichten auf Winterthermik sind dann gegeben, wenn eine Kaltfront durchgezogen ist, der Nordstau nachgelassen hat und sich die ersten Auflockerungen einstellen. Nur dann ist die Labilität, rein aus der Luftmasse heraus, noch ausreichend groß um tragende Thermik entwickeln zu kÖnnen. Auch der Windeinfluss trägt maßgeblich zur Thermikqualität bei. Herrscht nach Frontdurchgang noch zu großer Windeinfluss vor, fÜhrt dieser noch zur zu starken Durchmischung unserer wertvollen Warmluftblase. Je weniger Wind herrscht, umso gÜnstiger die Thermikentwicklung. Idealerweise suchen wir uns dann bewaldete oder freigelegte Heizflächen Über denen es sich Über Mittag fÜr kurze Zeit thermisch fliegen lässt. Der 1. Tag nach der Kaltfront ist der beste Tag. Am besten versuchen, gleich mit den ersten Auflockerungen fliegen zu gehen, da sind die Chancen auf die besten Aufwinde noch am GrÖßten.
Auch gealterte Hochdrucklagen bieten im Winter eine durchaus gute Flugwetterlage, gar mit gut ausnutzbarer Thermik selbst im Hochwinter. Herrscht zu Beginn einer Hochdrucklage noch eine markante Inversion vor (durch Absinken der Luft im Hoch), sinkt diese im Verlauf einer Hochdruckphase immer weiter ab. Nicht selten startet eine Absinkinversion bei Über 2500m SeehÖhe und taucht damit wichtige HÖhenstufen in inversive Totluft. Doch mit stetem Absinken der Absinkinversion werden nach und nach erst die Hochlagen, dann auch mittelhohe Lagen freigegeben. Der Bereich mit Temperaturanstieg verlagert sich immer mehr in Talnähe, wichtige Heizflächen werden immer häufiger bis in Talnähe freigegeben. Meist liegen nach zwei bis drei Tagen die mittelhohen Lagen bereits Über der Inversion. Zwar ist der Temperaturgradient Über der Inversion nur schwach und selten besser als 0.6°C pro 100m, doch dank guter Abrisskanten kÖnnen sich Warmluftpakete aus dem Hang lÖsen. Vielfache Winterthermik, auch wenn es in (fast) keinem Flugwetterbericht steht! Gealterte Hochdrucklagen im Winter abseits, frei von Warmluftzufuhr (Warmfront) haben im Winter eine vÖllig andere Bedeutung als im Sommer.
Auch in den SÜdalpen ist von der Wetterlage her eine ganz ähnliche Situation gegeben. Auch hier ist es die FrontrÜckseite mit welcher neue Luftmasse wetterwirksam wird, doch selten sind es hier wirklich die Kaltfronten selbst. Die Ursache hierfÜhrt liegt im sehr geschÜtzten Bereich der sÜdlichen Alpenraums durch den Hauptkamm im Norden und Westen. So blieben die allermeisten Fälle von echtem Kaltfronten verschont, ja wurden diese im Lee des Hauptkammes entweder durch NordfÖhn (Nord-/SÜdalpen) oder durch WestfÖhn (SÜdwestalpenbogen/Franz. und ital. Westalpen) soweit modifiziert, dass nur noch eine HÖhenabkÜhlung stattfinden kann.
Ausnahme: Genua- und Adriatiefs. Entstehen diese Tiefs im westl. Mittelmeer oder an den sÜdl. Seealpen sowie Über der Adria, wird sehr wohl sehr aktiver Fronteneinfluss vorherrschen und zu sehr schlechtem Flugwetter fÜhren.
In der Regel (die Ausnahme bestätigt diese leider häufiger) ist es jedoch die postfrontale Situation (hinter einer Front) mit HÖhenabkÜhlung die im Lee des Gebirges mit "FÖhn" eine sehr interessante Schichtung schafft. Bei leichtem NordfÖhn wird ständig hÖhenkalte Luftmasse nachgefÜhrt die bei voller Sonneneinstrahlung mit dem Tagesgang trotz tiefem Sonnenstand ausreichend labilsiert um eine ausreichende Erwärmung der bodennahen Schichten zu ermÖglichen. Der tiefliegende direkte AlpensÜdrand, selten mehr als 200m NN hoch gelegen, begÜnstigt deren Entwicklung ebenso wie die perfekt nach SÜden ausgerichteten Hänge, die oft schneefrei bleiben.
Bei Schneefreiheit und windarmer Situation in den bodennahen Schichten (Weniger Druckgradient auf der Bodenwetterkarte) kann sich so selbst im Winter eine leichte, zu den Alpen hin gerichtete StrÖmung ausbilden. Sie unterstÜtzt die Hangthermik und bildet die Basis zu StundenflÜgen selbst im Winter. Häufig kann diese anliegende dynamische StrÖmung auch dazu genutzt werden, kleinere TalsprÜnge mit Soaring zu Überwinden um in thermisch gÜnstigeres Gelände einzusteigen.
All zu stark darf der FÖhn jedoch nicht sein, denn nicht jedes Fluggebiet ist in gleichem Maße fÖhnresistent. Während im Tessin (Beispiel Laveno / Sasso del Ferro) bereits ein Druckgradient von 4-5 hPa ausreicht um eine deutliche FÖhnstrÖmung im Fluggebiet zu sorgen (Schaumkronen am Laggo Maggiore) wird in den SÜdostalpen an den SÜdausläufern der Dolomiten (Bassano mit Grapparegion) erst ab etwa 7-8 hPa Unterschied zur Alpennordseite der FÖhn wirklich auch in den tieferen Lagen unter Kamm gefährlich. Die Breite des gesamten Alpenreliefs begÜnstigt hier sehr wesentlich die Nordwindlagen die oft bis weit Über Kamm gut, sehr gut fliegbar sind.
In den Nordalpen sind es neben den hÖhenkalten RÜckseitenlagen direkt nach einer Kaltfront auch die gealterten, gradientschwachen Hochdrucklagen. Dabei gilt: Ein Hoch nach Kaltfrontdurchgang ist viel gÜnstiger als ein Hoch nach einer Warmfront! In den SÜdalpen werden die besten Flugbedingungen bei einer leichten Nordwest- bis Nordostlage (FÖhn!!!) die beste Thermikentwicklung ermÖglicht.
-> Eine pauschale FÖhn-Fliegbarkeitsformel ist nicht existent und jede Situation muss vom Piloten neu erÖrtert werden.
Auch ein Traumjob berechtigt nicht zum Schlaf während der Arbeitszeit