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War: Große Kälte?

Der Artikel letzte Woche zur vorhergesagten großen Kälte war dann doch ein oder zwei Tage zu früh formuliert worden, denn wie wir heute feststellen - es stand schon ab etwa Freitag letzter Woche fest - hat sich jetzt wesentlich mildere Luft im gesamten Alpenraum ausgebreitet.

Wie kann so etwas passieren? Fehlprognosen können immer vorkommen!

Wie im betreffenden Artikel schon festgestellt wurde, befindet sich Strömung über der Nordhalbkugel in ziemlich ungeordneter Struktur und das sonst für Europa bestimmende Westwindband ist stark deformiert. Aufgrund dessen zogen die eher kleinräumigen Tiefs zuletzt weniger von West nach Ost, sondern mehrheitlich von Nord nach Süd, respektive nach Südost. Genau das ist in den letzten Tagen passiert. An der Grenze zwischen dem kalten Osteuropa und dem milderen Westeuropa lag der Alpenraum in einer nordwestlichen Strömung. Darin eingelagert waren bis am letzten Wochenende immer wieder kleine Randtiefs die aber noch feucht-kalte Nordmeerluft nach Mitteleuropa und gegen die Alpen geführt haben. Es hat in Deutschland so heftig geschneit wie seit einigen Jahrzehnten nicht mehr und vielerorts wurden neue Schneehöhenrekorde erreicht. Der viele Schnee war die eine, der starke Wind die andere Seite.

Das Tief das uns jetzt mit milder Luft geflutet hat war besonders stark. Es kam zwar aus Nordwesten zu uns, wie die anderen Randtiefs zuvor auch, doch vom Nordatlantik stand kurzzeitg ein Ast mit deutlich milderer (energiereicherer) Luft zur Verfügung. Das waren also ideale Bedingungen damit sich das Tief vor den Toren Deutschlands zu einem ausgeprägten Sturmtief verstärken konnte. Mit sehr viel Druckgradient (Wind) und Dynamik (Turbulenz) hat es die milde Luft vom Nordatlantik mit in seine Zirukulation eingebunden und zu uns geführt. Damit wurde die Kaltluft vorerst etwas nach Osten weggedrückt, nur wenige hundert Kilometer. Der Kampf der kalten und warmen Luft findet genau über Mitteleuropa statt und es scheint, die Luftmassengrenze mit dieser imposanten Grenzwetterlage bleibt über Mitteleuropa hängen; und wir nun auf der milden Seite.

Nahezu alle verfügbaren Wettermodelle haben in den letzten Tagen sehr große Schwierigkeiten mit dem Umgang dieser Grenzsituation gezeigt. Von Lauf zu Lauf - das liegen nur 6, max. Stunden dazwischen -  wurden völlig gegensätzliche Lösungen für die zu erwartende Wetterlage in der Mittelfrist (3-7 Tage) angeboten. Ich betreibe die Meteorologie nun schon seit über 30 Jahren und seit 15 Jahren stehen mir numerische Wettermodelle Modelle zur Prognostik zur Verfügung, aber so gewaltige Differenzen wie in den letzten Tagen waren im Kurzfristzeitraum beim dritten Prognosetag nie zu beobachten. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die Prognosequalität, die derzeit ab dem dritten Tag rapide abnimmt.

Geschuldet ist diese große Unsicherheit dem Luftmassenkampf mit dieser außerordentlich markanten Grenzwetterlage über Mitteleuropa sowie der abnormalen Situation im Westwindband der Atmosphäre, bedingt durch diesen öminosen Polarwirbel. Damit kommen die Modelle mehrheitlich nicht zurecht und es zeichnet sich ab, dass wir noch eine Weile mit großen Unsicherheiten in den Prognosen ab dem dritten bis vierten Tag rechnen müssen.

Es gibt Großwetterlagen, da sind zuverlässige Prognosen bis zum 7 Tag und ein Trend noch etwas darüber hinaus möglich, es gibt manchmal aber auch so tolle Wetterlagen wie jetzt, da sind selbst über den dritten Tag hinaus keine brauchbaren Prognosen machbar und man tut gut daran, dem fliegenden Volk nicht zuviel zu versprechen. Letztenendes ist es auch immer eine Frage, wie weit man regional bezogen eine Prognose macht und wie weit ins Detail gegangen wird. Derzeit wissen wir Meteorologen im Großen aber nicht ob die Milderung von längerer Dauer ist oder ob die Kältewelle nach einer kurzen milderen Phase wieder auf ein Neues ansetzt.



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