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Mistral/Nordföhn/Bora ab 12.10.09

Mistral/Nordföhn/Bora ab 12.10.09

Bereits in den letzten Läufen der Modelle hat sich die zu erwartenden Nordlage in der Prognose gefestigt. Mit einem einleitenden Tief - es liegt mit seinem Kern bereits Über Deutschland - stehen die Nordalpen unmittelbar vor dessen Einwirkung. Im Vorfeld dessen ging es heute morgen wie "geschätzt" noch bedingt zum Soaren im bayr. Alpenvorland, insbesondere fÜr Starre. Ich kam erst gar nicht weg und wurde rÜckwärts ins Grad geschmissen, wie so oft, dank lediertem Knie. :-( Die LÜcke war eh klein, aber sie war da (Hallo Stefan T.).

Bereits in der kommenden Nacht erreicht eine aktive Kaltfront die Nordalpen. Es handelt sich um eine absolut aktive Kaltfront, denn sie liegt im Einflussbereich des windstarken Jetstreams der genau Über die Alpen fÜhrt. Mit der Kaltfront sinkt am Montag die Schneefallgrenze schon auf unter 1500m und es wird in den zentr. und Östl. Nordalpen einiges an Schnee geben. Die Westschweiz ist etwas aus dem Schneider. Die eigentlich richtige Kaltluft kommt hinter der Kaltfront. Sie ist zudem feucht und hochreichend labil geschichtet. Einzelne Gewitter an der Front, warum nicht?

Zwischen hohem Luftdruck Über Nordwesteuropa und tiefem Druck Über Osteuropa wird fÜr mindestens drei bis vier Tage arktische Polarluft in den Alpenraum gefÜhrt. Mit einem sehr starken Druckgradienten liegt permanent eine starke NordstrÖmung an die sich gesamtheitlich bis in mittelhohe Lagen durchsetzen wird. Vielfach bricht der Wind auch in die geschÜtzten Tallagen durch. In den Nordalpen geht dies mit Niederschlägen einher die oberhalb etwa 1200-1500m mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erste markante Winterphase einleuten werden. Nach und nach ist mit Schneefall bis unter 800m zu rechnen. Dickes SchneegestÖber sollte in den zentr. und Östl. Nordalpen bis mindestens Freitag erwartet werden. Viele Pässe machen dicht. Der Weg ins Fliegerexil nach Bassano Über den Brenner kann zeitweise weiß sein kann...

... und wenn man den Hauptkamm Überquert hat, droht dort permanent der NordfÖhn durchzubrechen. Es gibt viele FÖhnlagen die auf der AlpensÜdseite (nicht nur in Bassano) wirklich exzellent fliegbar sind, da der FÖhn im Zielfluggebiet großräumig nicht vorhanden ist. Mindestens 90% aller NordfÖhnlagen sind in Bassano einfach prima zum Fliegen geeignet (Obacht). Es gibt aber Wetterlagen mit Nordwind, da bricht selbst an den Startplätzen in Bassano der NordfÖhn durch. Das habe ich selbst schon erlebt (Februar 2002), mit 80 km/h aus Nord.

Eine solche NordfÖhnlage droht in den nächsten Tagen im SÜden. Es wird sehr labile Luft herangefÜhrt. Nicht nur der vertikale Temperaturgradient macht die Labilität, sondern die starke Windzunahme mit der HÖhe. Die Windscherung "impft" die Atmosphäre mit Wirbelhaftigkeit und fÜhrt zur Turbulenz bis weit herab, und eben in jedem Alpenlee. Die hat es bei so großer Labilität und StrÖmung einfach, bis in die Täler, gar bis an den Alpenrand (mittelhohe Lagen zu 90%) vorzudringen.

Dolomitenfliegen? Ja das kannst Du vergessen. Fliegen in Laveno? Ja, kannst Du auch vergessen. Fliegen in der Provence (St. Andre)? Dort ist heftiger Mistral zu erwarten, also auch nix, wie auch im gesamten Rhonetal. Weder sind die Vogesen ein lohnendes Herbstziel, noch Slowenien. In zuletzt genanntem Gebiet droht zeitweise starke Bora durchzubrechen. Und in Bassano? Ich schätze die Chance auf zeitweise Fliegbarkeit auf 30:70 ein. Kalt wird es in jedem Fall, trotz NordfÖhn. Naja, also ich habe Urlaub und ich werde diese Lage ohne Bassano vorbeigehen lassen. Es kommen schÖnere Lagen.

In den nächsten Tagen also volle Wetteraction mit fast der gesamten Bandbreite. Nach dem Sommertag mit 27.8°C am vergangenen Mittwoch in Innsbruck und erwarteten arktischen 1-2 Grad am kommenden Mittwoch ist dies schon einer der dramatischsten WetterstÜrze der letzten Jahre. Nunja, 25 Grad AbkÜhlung innerhalb einer Woche, das ist arg. Die Tropopause kommt auf unter 7000m herab. Die lag vor einer Woche noch bei 11000m. Das bedeutet auch, dass die unterhalb dieser 7000m die gesamte Luft mit der NordstrÖmung Über die Alpen gequetscht wird. Enger Querschnitt, sehr viel Masse, das kann nur viel, sehr viel Wind bedeuten.

Die brauchbar fliegbaren LÜcken finden wir in SÜdspanien, in SÜditalien, in Griechenland (Gewitter) oder in der TÜrkei.

Eine RÜckkehr zum Goldenen Oktober ist binnen Wochenfrist nicht ansatzweise in den Modellberechnungen vorhanden. Es lebe der silberne Oktober mit Einwinterung der Nordalpenberge. SpÜrst Du das auch. Es tut schon gar nicht mehr weh. :-) Mal gucken ob ich in meinem Urlaub mal sinnvoll zum Fliegen komme. :-)


Copyright: Stefan Hörmann, gleitsegelwetter.de, (10.10.2009 - 00:00 Uhr)


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