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Herbstfliegen Dolomiten

Herbstfliegen Dolomiten

Kategorie:
Aktuelle Flugwetterentwicklung

Während der Dolomitensaison von September bis Mitte Oktober bietet Gleitsegelwetter in seinen Prognosen auch 2011 wieder ein Dolomiten-Spezial mit Punktprognosen fÜr die Dolomiten (bei guten Wetterlagen) an und ich selbst werde diesen Herbst dort zum Fliegen(?) verweilen.

Dieser Artikel basiert auf AusfÜhrungen von 2003 die ich nach eigenem Fliegen vor Ort 2003/2004 auf der alten Gleitsegewetterseite niedergeschrieben habe.

Das Allerwichtigste: Die Auskunft der Col Rodella-Bahn teilte mir mit: Die Bahn auf den Col Rodella läuft bis Sonntag, den 09.10.2011. Danach muss vom Sellapass aus rÜbergelaufen oder am Pass selbst unterhalb der Lokomotive(Nordwind?) gestartet werden.

Links zur Webcam

Dolomitenfliegen mit Thermik im Herbst
FÜr die anstehende Dolomitensaison, die in der Regel etwa vier bis max. sechs Wochen dauert - Anfang, Mitte September bis Mitte Oktober, sind ein paar wenige aber wichtige Dinge zu beachten. So sind Nordwindlagen - ich spreche von markantem Nordwind, nicht von einem LÜfterl - in den Dolomiten durchaus sehr krtisch zu bewertende (Flug)wetterlagen die zu häufig schon aufgrund Mißachtung der Windsituation schwere Unfälle verursacht haben. Die besondere Lage unseres Flugreviers zwischen Piz Boe, Langkofel, Rosengarten und der Marmolada stellt zudem ein besonders thermisches Gebiet dar, das auch im Herbst noch kräftige Thermiken und markante Taleinwindsysteme entstehen lässt. Wenn man ein paar wichtige Regeln beachtet, kann das Fliegen in den Dolomiten ein hervorragender Abschluss der Thermiksaison werden.

- kann ich aktiv fliegen und beherrsche Klapper?
- kann ich die Wetter -und Windsituation fÜr mich sicher sicher einschätzen?
- erkenne ich sicher die Herkunft des Überregionalen Windes?
- kenne ich das Gebiet ausreichend gut (Bahnen(Seile)/Landeplätze)
- kann ich auch zufrieden einen ungeflogenen Nordwindtag geniesen?

Großwetterlage Nord zwischen Sellastock und Rosengarten
Liegt in den Dolomiten eine großräumige Nordlage vor, dringt dieser verstärkt Über den Sellapass und wird zwischen dem Massiv des Sellastocks und dem Langkofel komprimiert. Er ÜberspÜlt und Überlagert die lokalen thermischen Tal- und Hangwindsysteme. Bei eindeutig starkem Nordwind ist alles klar...
... bei Grenzsituationen kommt es dagegen immer wieder zum pulsierenden Durchbrechen des Nordwindes, was in starker Turbulenz mÜnden kann die weit ins Fassatal reicht. Es ist daher stets anzuraten, sich bei Locals (nicht unbedingt bei unbedingt fliegen wollenden deutschen Kollegen!) Rat einzuholen und die Situation genau zu checken (nicht nur 5 Minuten Wind und Wolkenbild checken).

Lokale Windsysteme
Mehrere Täler, und dessen Taleinwindsysteme, bÜndeln sich am Sellapass und bilden dort ein großräumiges Aufwindgebiet (Konvergenz) das durch die SÜdflanke des Col Rodella zusätzlich thermisch unterstÜtzt wird; unser Einstiegsbart. Der thermische Col Rodella sorgt mit seiner Thermik sogar wie ein Nachbrenner dafÜr, dass die Konvergenz besonders gut funktioniert. Von Norden her steht durch das GrÖdnertal der Talwind ab dem späten Vormittag am Sellapass an. Liegt eine großräumige NordstrÖmung vor (SÜdalpen tieferer, Nordalpen hÖherer Luftdruck), wird der GrÖdner Talwind schon frÜh am Tag verstärkt und in thermischen SchÜben am Col Rodelle immer wieder wechselnden Startwind verursachen. Mal reißt der Bart am SÜdstart von SÜdwest bis SÜdost ab, mal sind thermische SchÜbe zusammen mit dem Talwind aus Ost bis Nord eingelagert. Steht degegen Nordwestwind an, liegt der Col Rodella im Lee des Langkofelmassivs. Das kommt aber sehr selten vor. Am Col Rodella, direkt im Einzugsgebiet des Passes liegend, reißt die Thermik pulsierend und oft von allen Seiten ab, typisch fÜr passnahes Fliegen. Wirbelhaftigkeit wird zugefÜhrt und wahrhaftig viele Wirbel kÖnnen die Thermik, und uns, ganz schÖn zum Rudern bringen. Der Col Rodella ist Übrigens auch ein wunderbarer Berg zum Dust-Devils anschauen. :-)

Hinweis: Generell erfordert das Fliegen in allen Passbereichen in den Gebirgen ein gutes Auge und EinschätzungsvermÖgen fÜr die Funktionsweise der lokalen Windsysteme, da sich diese an jedem Pass anders entwickeln. Auch bei eindeutigem Nordwind der "nur" auf das Talwindsystem aus dem GrÖdnertak zurÜckzufÜhren ist, sollte ein Start an der Lokomotive (oberhalb Sellapass) vermieden werden, da sich dort Leewirbel bilden kÖnnen die durch die teils stark thermischen SÜdwände nur bedingt Überlagert werden.

 

GrÜne Pfeile: Überregionaler Nordwind, komprimiert am Sellapass, umstrÖmend um Sella- und Langkofelstock
Schwarze Pfeile: Tal- und Hangwinde die am Col. Rodella zusammenlaufen
Rote Pfeile: Passbereich Sella-Col Rodelle mit Treffpunkt der Thermik+Talwindsysteme


Gefahren
Bei eindeutigen Nordlagen, wo schon das Auspacken des Schirmes am Vormittag Probleme bereitet, sollte von Flugvorhaben konkret abgesehen werden, denn dies ist ein Indikator nicht nur fÜr zuviel Nordwind, sondern fÜr große "Wirbelhaftigkeit" und Leesituation im gesamten Bereich des Col Rodella. Steht am Morgen schon der Nordwind an der Nordostflanke markant an, deutet das auf einen alles dominierenden Überregionalen Nordwind an (Druckdifferenz Bozen-Innsbruck beachten) der tagsÜber thermisch zwar teil- und phasenweise Überlagert werden kann, fÜr uns die Gefahren damm aber zunehmend versteckt werden. Aufgrund der meist trockenen Nordlagen ohne viel BewÖlkung ist auch das Ablesen von Turbulenz an windbearbeiteten Wolken oft nicht mÖglich! Der Taleinwind ist auch im Herbst an thermischen Tagen noch ziemlich kräftig. Eine gute Landeeinteilung ist bei dem oft anzutreffenden starken Taleinwind zwingend, insbesondere wenn das Fluggebiet von Gleitschirmen und Drachen stark frequentiert wird. Seilbahn beachten!

Bei signifikantem Nordwind (schon ab 10km/h Mittelwind) muss man rechnen mit:

- starker Turbulenz im gesamten Tal- und Gebirgsbereich
- starken Lee-Wirbeln hinter Langkofel und Sellastock
- scheinbarer Startwind aus SÜdwest bis SÜdost -> große Leewalzen oder -rotoren !!!
- bis weit in Talmitte hinaus versetzte, stark zerissene Thermiken
- Turbulenz bis zum Talgrund

Übrigens: FÜr einheimische Flieger sind Nordlagen ein striktes Tabu.

FÜr alle Marmolada-Gletscherlander gilt: Bevor Ihr auf dem Gletscher landen wollt, erkundigt Euch bitte am Morgen des Flugtages vor Ort bei der Bergwacht, dem Alpenverein oder Bergsteigern/-fÜhrern, wieviel Neuschnee liegt und wie die Beschaffenheit des Gletschers ist (Klimaerwärmung) um ein bÖses Erwachen zu verhindern. Bei 50cm Neuschnee und wenig Wind kann ein Start Probleme bereiten.

Beste Wetterlagen
Die beste Wetterlage in den Dolomiten ist meist schon der erste Tag nach einer NordfÖhnlage und wenn der Druckunterschied zwischen Nord- und SÜdalpen (Innsbruck-Bozen) auf unter 2 hPa abgenommen hat und eine eindeutig abnehmende Tendenz zeigt. Das Hoch liegt idealerweise mit seinem Kern Über den Westalpen und sollte einen Druck Über den Dolo's von nicht mehr als 1020-1025 hPa aufweisen, sonst ist die Absinkinversion oft zu stark, besonders im Oktober. Schwache, abnehmende Nordlagen sind deshalb so gut, weil sich fÜr herbstliches Fliegen notwendige HÖhenkaltluft Über die Dolomiten ergießen kann und der Backofen noch voll heizt und ein großer Temperaturkontrast zwischen den sich aufheizenden Wänden und der HÖhenkaltluft ergibt. Auch längere SchÖnwetterperioden, fÜr die der Herbst geeigneter ist, stellen gute Bedingungen dar. Es muss nicht immer alles von der HÖhenkaltluft abhängen. Auch schwache Nordost- bis Ostwetterlagen sind gut geeignet.

Bei Nordlagen werden alle aus der thermischen Aktivität auftretenden Effekte verstärkt. Die Grenze zwischen gut und schlecht ist oft fließend und man tendiert als Flieger dann doch dazu, die Bedingungen bei Nordwind abzuwerten! Dies ist in den Dolomiten eindeutig die falsche Entscheidung. Der HÖhenwind sollte in 3000m konkret nicht mehr als 10-15 km/h betragen, welcher in den Wettermodelle am Morgen, Mittag und Abend durch max. einen langen Strich (=10Kt) auf dem Windfähnchen markiert wird.

Auch beginnende SÜdwestlagen sind meist richtig gute Wetterlagen, wenn bodennah Warmluft einfließt, in der HÖhe aber noch rel. kÜhle Luft liegt, wie es etwa bei Zwischenhochlagen oft der Fall ist. Bei sÜdl. AnstrÖmung wird i.d.R. auch feuchtere und stabilere, sichtlich dunstigere Luft herangefÜhrt, die zu mehr Wolkenbildung und tieferen basen fÜhrt. Dies hat Vorteile in der Bewertung der Windsituation und GÜte der Thermik und erleichtert zudem den Einstieg in die Bärte, wenngleich die gewÜnscht hohen Basen dann eher nicht oder eher selten.

So, viel Spaß nun in den Dolomiten. Wir sehen uns (bei der richtigen Wetterlage).


Copyright: Stefan Hörmann, gleitsegelwetter.de, (02.09.2011 - 08:09 Uhr)



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